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Vier Meter Hustensaft - Dreckige Kohle

Vier Meter Hustensaft - Dreckige Kohle

Samstag, 10 Januar 2026
01:26 Uhr
Autor: Stefan

Umbesetzungen sind für aufstrebende Bands wie ein Sprung ins kalte Wasser: Entweder man geht unter, oder man schwimmt plötzlich schneller als vorher. Vier Meter Hustensaft entscheiden sich klar fürs zweite Szenario. Nach dem Ausstieg von Sängerin Yvonne Wagner kippt die Statik einer vormals female-fronted Punkband – und trotzdem wirkt hier nichts wie Notbetrieb. Gitarrist Philipp Altenhofen übernimmt die Vocals zunächst aus der Situation heraus, nach Konzerten u.a. mit Graupause und Toxoplasma dann endgültig. Kurz darauf kommt Thiemo Schröder (ex Harte Worte) dazu: zweite Gitarre, zweite Frontstimme – und ein Wechselspiel, das dem Sound mehr Kontur gibt, ohne die Kante zu schleifen.

Die EP liefert drei neue Studiosongs und setzt dabei auf kompromisslose Direktheit. „Was ich dringend brauche“ brettert im Uptempo durch Alltagsfrust, Kneipenphilosophie und Anti-Spießer-Reflexe: Schlagzeugdruck, satter Bass, griffige Punkgitarren – und obendrauf Soli, die zeigen, dass hier nicht nur Parolen, sondern auch Handwerk sitzt. Der Refrain ist gebaut fürs Mitgrölen, das ironische Grinsen hört man zwischen den Zeilen. Der Titelsong „Dreckige Kohle“ fährt härter, fast hardcorelastig, und legt den Fokus auf Schröders Gesang: weniger Pose, mehr Haltung – Working-Class-Stolz, Heimat im Westen, Bier statt Bling. Track drei tritt dann noch einmal nach, schnell und ohne Umwege: gegen überhebliche Schwätzer, die sich für die Hauptrolle halten, obwohl sie kaum den Text können.

Zum Finale zeigt die Band, warum das Material nicht nur im Studio funktioniert: Die Live-Version von „Was ich dringend brauche“ (Audio plus Video, aufgenommen in der Börse Wuppertal) wirkt wie der Belastungstest, den sie souverän bestehen. Das Tempo sitzt, der Song hat Punch, die Crowd-Logik ist sofort da – und gerade dadurch wird klar, dass Vier Meter Hustensaft den Stimmwechsel nicht nur überlebt, sondern in Live-Energie übersetzt haben. Kleiner Wermutstropfen: Bei der Aufnahme war Andreas Wagner noch dabei, sein Mikro scheint jedoch nicht sauber eingefangen worden zu sein. Diese technische Panne ist aber Punk - Herrlich unperfekt und dennoch aussagekräftig. Auch hinter den Kulissen ist Bewegung: Bassist Andreas Wagner wirft kurz vor Release hin, Philipp Wachter übernimmt den Bass – auf der EP sind damit zwei Bassisten zu hören. Und erst weiter unten im Paket kommt der visuelle Rahmen: Das Artwork wirkt fast indie-rockig, würde es nicht mit Punk-Symbolik und Hustensaft-Branding kontern. Die Gestaltung inklusive digitalem Booklet und Wallpaper stammt von Philipp Gottfried und seinem Lebensgefährten Geo Hilse, die das Material als Bandcamp-Edition sichtbar aufwerten. In a Nutshell: ein schlagkräftiges Statement – roh, hymnisch, live-tauglich - Punk wie er sein sollte und auch sein muss.

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Quelle: Mix1